Nordkoreas grüne Wende
Nordkoreas Wälder wachsen wieder. Satellitendaten zeigen, dass die staatliche Aufforstungskampagne seit 2015 messbare Ergebnisse erzielt hat.
Nordkorea hatte lange Zeit erhebliche Probleme mit Entwaldung. Hauptgründe dafür waren Hanglandwirtschaft, die wegen des Bedarfs an Anbaufläche nötig war, und die Nutzung von Brennholz. Eine 38-North-Analyse gibt einen Rückgang der Waldfläche von ungefähr 0,8% pro Jahr an.
Der Wendepunkt fand ungefähr 2012 statt, als landwirtschaftliche Aktivitäten an besonders steilen Hängen stark eingeschänkt wurden. 2015 wurde dann unter Kim Jong-un die Wiederaufforstung zu einem deutlich stärker priorisierten staatlichen Projekt.
Wo vorher auf Satellitenbildern kahle und landwirtschaftlich genutzte Stellen zu sehen waren, sind nun grüne Waldflächen sichtbar geworden. 38 North dokumentiert diese Veränderungen beispielsweise zwischen 2014/15 und 2019.
Besonders ist, dass Nordkorea nicht nur behauptet, Bäume gepflanzt zu haben. Externe Beobachter konnten den langfristigen Effekt des staatlichen Programms an denselben Flächen dokumentieren.
Nordkoreas Wald in Zahlen
Vor der Wende verlor die Volksrepublik ungefähr 0,8% der Waldfläche pro Jahr.
Dieselbe Analyse ermittelte zwischen 2015 und 2019 ein Wachstum von rund 0,2% jährlich.
Basierend auf mehreren Untersuchungen lässt sich eine Zahl von über einer Million Hektar zusätzlicher beziehungsweise wiederhergestellter Waldfläche bestimmen.
Eine vollständige Erholung wurde dennoch bisher nicht erreicht. 2024 lag Nordkorea immer noch unter dem Waldflächenstand von 2001.
Wie Nordkorea die Trendwende erreichte
Zur Wiederaufforstung sind mehrere Maßnahmen erfolgt. Die landwirtschaftliche Nutzung stark geneigter Hänge wurde eingeschränkt. Wiederbegrünung kahler Flächen, aber auch Neupflanzung von Bäumen und der entsprechende Ausbau von Baumschulen waren dabei ein Schwerpunkt. Dazu wurde Forstwirtschaft mit wirtschaftlicher Nutzung und Agroforstwirtschaft im Rahmen der sogenannten "Golden Mountain"-Strategie verbunden.
Die nordkoreanische Regierung setzte sich innerhalb einer zehnjährigen Kampagne das Ziel, etwa 1,68 Millionen Hektar Wald wiederherzustellen. Die Kampagne war allerdings keineswegs hauptsächlich ein UN- oder ausländisches Hilfsprojekt. Stattdessen war es überwiegend eine innenpolitisch getriebene Kampagne.
Nicht überall werden die Berge grüner
Die deutlichsten Verbesserungen konnten im Südwesten des Landes sowie um Pjöngjang, die Hauptstadt Nordkoreas, und Süd-Pyongan gefunden werden. Allerdings geht die Entwaldung bei einigen abgelegenen Siedlungen und in Teilen der Gebirgsprovinzen Jagang und Ryanggang weiter.
Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die Menschen in ärmeren Gebieten teilweise weiterhin Holz zum Kochen und Heizen benötigen. Dieser Konflikt zwischen staatlichem Waldschutz und materiellen Bedürfnissen stellt eine Gefahr für die Nachhaltigkeit der Aufforstung dar.
Mehr Wald kann gegen Bodenerosion helfen, Wasser zurückhalten und Hänge stabilisieren. Aufgrund mangelnder landesweiter unabhängiger Daten ist es jedoch schwer zu behaupten, dass die Aufforstung bereits eine bestimmte Zahl von Überschwemmungen verhindert, Ernten verbessert oder Einkommen erhöht habe.
Was können wir daraus lernen?
Am interessantesten ist, dass dieses Projekt nicht als einmalige Pflanzaktion gestartet wurde, sondern als langjähriges Projekt.
Es wurden langfristige Ziele gesetzt, Flächen priorisiert und Baumschulen ausgebaut. Gleichzeitig änderte der Staat Regeln zur Landnutzung und verstärkte den Schutz bestehender Wälder.
Die zeitliche Übereinstimmung zwischen der Politik und der beobachteten Trendwende spricht stark dafür, dass die staatliche Forstpolitik einen wesentlichen Anteil am Ergebnis hatte.
Gesellschaftlich koordinierte langfristige Planung kann bei Problemen funktionieren, deren Lösung Jahrzehnte dauert und sich nicht unmittelbar nach kurzfristiger Rentabilität richtet.
Was funktioniert nicht?
Die Brennholzfrage zeigt allerdings auch, dass langfristige Planung die materiellen Ursachen eines Problems berücksichtigen muss. Wenn Menschen zum Kochen und Heizen auf Holz angewiesen sind, kann Waldschutz allein diesen Widerspruch nicht lösen. Für eine gute Planung muss man sich also die Fragen stellen: Wer legt die Ziele fest? Welche Bedürfnisse der Bevölkerung werden berücksichtigt? Wer trägt die Kosten?
Eine sozialistische Aufforstungspolitik sollte ebenfalls gesellschaftlich geplant werden, jedoch unter demokratischer Kontrolle der Bevölkerung und Beschäftigten.
Dabei ist wichtig, Waldpolitik gemeinsam mit anderen Bereichen zu planen. Forstwirtschaft, Energieversorgung, Landwirtschaft, Wohnen und Katastrophenschutz müssen hier bei der Planung miteinbezogen werden.
Eine demokratisch geplante Lösung wäre also in erster Linie nicht, die Holznutzung zu verbieten, sondern beispielsweise eine zuverlässige Energieversorgung auszubauen, Gebäude energetisch zu verbessern, alternative Heizsysteme bereitzustellen und betroffene Gemeinden in die Forstplanung einzubeziehen.
Langfristige gesellschaftliche Umweltplanung kann funktionieren. Nachhaltiger und sozialer wird sie, wenn Menschen, deren Lebensbedingungen davon betroffen sind, selbst demokratisch an ihr beteiligt sind.
Quellen
Bruce Songhak Chung: North Korean Forestlands Have Rebounded in Recent Years, 38 North, 31. Dezember 2020.
Korea Development Institute: satellitengestützte Langzeitanalyse zur Wiederaufforstung Nordkoreas, Dezember 2024.
Fachliteratur zur nordkoreanischen „Golden Mountain“-Forstpolitik und Agroforstwirtschaft, 2023.